Wer ist eigentlich diese Generation Y? Und welche Anforderungen stellt sie an Arbeitgeber?

Generation YIn HR-Foren und -Diskussionen wird sie derzeit am häufigsten thematisiert: die Generation Y. Auch bezeichnet als die Generation nach 1980, Internetgeneration oder Digital Natives. Personaler und Recruiter stehen vor neuen Herausforderungen, denn die Generation Y stellt den Arbeitsmarkt auf den Kopf. Doch warum? Was unterscheidet diese Generation denn genau von den vorigen?

Die arbeitende Gesellschaft kann im Grunde in drei Gruppen bzw. Generationen unterteilt werden: die Babyboomer (Jahrgänge 1946-1964), die Generation X (Jahrgänge 1965-1979) und die Generation Y (Jahrgänge 1980-2000).

Babyboomer

Die Babyboomer ist die Generation der Nachkriegszeit. Geprägt vom damaligen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland und der Sicherheit von Arbeit mit regelmäßiger Bezahlung, ist diese Generation optimistisch und grundsätzlich positiv gestimmt. Persönlichkeitsmerkmale wie eine hohe Durchsetzungskraft, ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein oder ein hohes Fürsorgegefühl für die Familie sind stellvertretend für die Babyboomer.

Generation X

Personen, geboren in den Jahren 1965 und 1979, gehören der Generation X an. Gegensätzlich zu der vorangegangenen Generation, zeichnen wirtschaftliche und gesellschaftliche Unsicherheit sowie die Konfrontation mit der eher umweltfeindlichen und weniger sparsamen Lebensweise ihrer Vorgänger diese Gruppe von „Gleichaltrigen“. Die Bedeutung von traditionellen Familienkonstrukten löst sich. Eigenschaften wie Misstrauen gegenüber großen Institutionen, die Vorliebe für Vielfalt sowie eine negative, zynische Arbeitseinstellung werden dieser Generation oft zugeschrieben.

Generation Y

Hierauf folgt die derzeit so häufig thematisierte Generation Y, oder auch Generation „Why“. Die Gen Y wächst mit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Unsicherheit, zunehmender Verknüpfung der Märkte sowie technischer Innovation auf. Im Unterschied zur Generation X  jedoch, haben diese Veränderungen eine viel höhere Geschwindigkeit. Entwicklungen gewinnen an Komplexität und der Wettbewerb steigt.

Im Kindesalter erhalten Angehörige der Jahrgänge 1980 bis 2000 viel Aufmerksamkeit und Fürsorge durch die Eltern. Gleichzeitig steigert sich durch hohes Angebot das Konsumverhalten dieser Generation. Gerade durch den Fortschritt und die Etablierung des Internets hat sich die Gen Y an ständige Kommunikation und globale Vernetzung gewöhnt. Informationen sind permanent, schnell und umfassend abrufbar. Der Austausch durch Social Networks wie MySpace (2003), Facebook (2004) und Xing (2008) prägen das Kommunikationsverhalten maßgebend. Zudem beeinflussen Ereignisse wie die Terroranschläge des 11. Septembers oder Diskussionen um den Klimawandel das Denken dieser Generation. Die Gen Y ist optimistischer als die vorherige Generation X, sie „arbeitet, um zu leben“ und ist freizeit- und familienorientiert. Gen Y-ler sind ein hohes Maß an Flexibilität gewöhnt, Multitasking fähig, vertraut mit moderner Technik und deren Veränderung. Zudem können Charakteristika wie das Interesse am Umgang und Austausch verschiedener Kulturen, ein eher schlechtes individuelles Zeitmanagement und eine höhere Rate an Depressions- und Burnout-Fällen dieser Generation zugeschrieben werden.

Anforderungen der Gen Y an Arbeitgeber

Geprägt von den genannten Ereignissen, den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und dem immensen technischen Fortschritt, hat die Generation Y neue bzw. andere Anforderungen an ihre Arbeitgeber. Diese können wie folgt zusammengefasst werden*:

1.    Work-Life-Balance

Da die Arbeit eine weniger zentrale Rolle im Leben der Gen Y einnimmt, umso wichtiger aber Familie und Freizeit sind, erwartet diese Generation, dass Arbeitgeber einen hierauf abgestimmten Arbeitsrahmen schaffen und sich flexibel in Bezug auf persönliche Belange zeigen. Dies mindert allerdings nicht den Leistungswillen dieser Generation. Denn …

2.    Weiterbildungsmöglichkeiten und herausfordernde Aufgaben

… die Gen Y schätzt anspruchsvolle und herausfordernde Aufgaben. Selbstverwirklichung und persönliche Entwicklungschancen werden von ihren  Vertretern höher geschätzt als es bei den früheren Generationen der Fall ist. Daher suchen sie bewusst nach Trainingsmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven im Unternehmen.

3.    Wertschätzung durch Gehalt, Prestige und Status

Vom Dienstwagen bis hin zum iPad, die Generation Y ist an der materiellen Wertschätzung ihrer Leistung interessiert. Transparente, leistungsgerechte Gehaltsysteme werden in dem Zusammenhang als motivierend wahrgenommen.

4.    Enge Zusammenarbeit in einem Team und Feedback

Ein kollegialer und sozialer Umgang zwischen Arbeitskollegen ist von großer Bedeutung für die Gen Y. Teamarbeiten und Kooperationen werden gefordert und vermitteln das Gefühl einer angenehmen und abwechslungsreichen Tätigkeit. Ebenso wichtig wird die gute Beziehung zum eigenen Vorgesetzten eingeschätzt. Diese beruht auf ausführlichem und regelmäßigem Feedback zu der geleisteten Arbeit.

5.    Moderne technische Ausstattung des Arbeitsplatzes

Aufgewachsen mit technischen Innovationen erwartet die Gen Y diese Aktualität auch von ihrem Arbeitgeber. Vom „einfachen“ Internetzugang, über Apps auf Smartphones bis hin zur Zusammenarbeit über Sharepoint. Arbeitnehmer aus der Gen Y fühlen sich umgeben von moderner Technik am wohlsten.

6.    Corporate Social Responsibility von Unternehmensseite

Das soziale und gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens ist für die Gen Y bedeutsamer geworden. Sie streben nach Übereinstimmung der eigenen ethischen Werte mit denen ihres Arbeitgebers.

Insgesamt lässt sich die Generation Y also als eine Gruppe von Jahrgängen definieren, die sich aufgrund von prägenden politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen von den vorigen Generationen abgrenzen lässt. Als maßgebend für Denkweisen, Verhaltensmuster und Erwartungen der Gen Y kann die Etablierung und zunehmende Nutzung des Internets, die Vernetzung komplexer Märkte sowie das globale Zusammenwachsen sein.

Norm- und Wertevorstellungen haben sich geändert und mit ihnen die Anforderungen der Generation Y an Arbeitsmarkt und Arbeitgeber. Natürlich waren einige dieser Werte bereits Teil der Ideale von vorangegangen Generationen, doch bedingt durch den heutigen Fachkräftemangel sehen sich Arbeitgeber mehr und mehr gezwungen, auf die Bedürfnisse der Nachwuchskräfte einzugehen. Es gilt Flexibilität, enge Führung, Gehalt, Anerkennung, Aufstiegsmöglichkeiten, interessante Tätigkeiten im Team und modernste Technik überein zubringen, um im Kampf um die besten Talente bestehen zu können.

* Die genannten Aspekte sind Verallgemeinerungen bestimmter Grundhaltungen und kein ganzheitliches Bild eines typischen Bewerbers oder Young Professionals. Dennoch zeigen die Klassifizierungen einen guten Überblick über Werte und Erwartungen der heutigen Generation und können hilfreich für die Entwicklung und Abstimmung gezielter Personalmaßnahmen sein.

Quelle: „Generation Y – Anforderung an Personal- und Organisationsentwicklung“, Prof. Dr. Thorn Kring, ADG Business School an der Steinbeis-Hochschule Berlin

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2 Gedanken zu „Wer ist eigentlich diese Generation Y? Und welche Anforderungen stellt sie an Arbeitgeber?

  1. René Jacobi

    Hallo zusammen,

    sehr schöne Zusammenfassung.

    Laut der aktuellen Definition gehöre ich ebenfalls zur Generation Y, kann mich jedoch mit vielen der “festen” Aussagen und angeblich wissenschaftlichen belegten Wünschen und Forderungen nicht wirklich identifizieren.

    So möchte ich natürlich einen Dienstwagen, wenn mein Beruf ist notwendig macht, dass ich viel Reise. So möchte ich weder fest im Home-Office arbeiten oder fest im Büro. Ich möchte natürlich im Team arbeiten, wenn es für die aktuelle Aufgabenstellung notwendig ist. Wenn nicht, dann kann ich Lösungen auch ganz gut allein entwickeln. Ich möchte aber genauso gut, dass ich entscheiden kann, wo, wie und wann ich lebe, arbeite, meien Freizeit geniessee etc.

    Was mich an dieser ganzen Diskussion einfach stört, ist das hier mit den althergebrachten Mitteln neue Dinge beurteilt werden.

    So kann ich dieser Aussage: “Wertschätzung durch Gehalt, Prestige und Status”
    nicht im mindedtens zustimmen.

    Die gleichen Anforderungen haben unsere Eltern, Großeltern und alle Generationen vor uns ebenfalls gehabt. Sie wurden nur eben nicht erfüllt. Genauso wenig wird aber meine/ die aktuelle Generation alle ihre Wünsche erfüllt bekommen. Den sie ist nun mal nicht allein auf diesem Planeten.

    Ich bin der Meinung, alles das, was man angeblich der “neuen” Generation Y zuordnet, sind menschliche Bedürfnisse seit Anbeginn der Zeit. Hier wird lediglich versucht, ein gesellschaftlicher Wandel, der sich durch alle Altersklassen zieht an einer bestimmten Gruppe festgemacht, weil wir uns nicht eingestehen wollen, dass unsere Welt sich so rasend schnell verändert.

    Also suchen wir einen Grund, etwas das wir mit “Fakten” belegen können. Und da kommt die neue Generation doch wie gerufen. Also dichten wir dieser Generation einfach alle Veränderungen der Welt an.

    Was ich damit sagen möchte, die Generation Y sind wir alle, unabhängig vom Alter. Wir alle wollen, dass unser Leben anders wird, einfacher wird, besser wird, dass unser Tun, unser Handeln und unsere Arbeitsleistung wertgeschätzt wird. Das wird Feedback bekommen wenn wir etwas richtig oder falsch gemacht haben. Das sind nicht die Wünsche einer kleinen Gruppe an Menschen, sondern aller Menschen.

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    1. Wertekern Artikelautor

      Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Einschätzung.

      Wir stimmen Ihnen zu: Natürlich sind die in dem Artikel erwähnten Punkte Verallgemeinerung; man kann Menschen nie über einen Kamm scheren. Kategorisierungen tragen immer die Bildung von Stereotypen mit sich. Dennoch denken wir, dass gewisse Grundhaltungen einfach typisch für eine “Generation” sein können. Dies begründet sich durch gemeinsam erlebte historische, politische und gesellschaftliche Ereignisse, die prägend für Denkweisen und Wertevorstellungen sind.

      Wie in dem Artikel bereits erwähnt, überschneiden sich die Anforderungen und Vorstellungen der verschiedenen Generationen in vielen Punkten (gerade die der Generation X und Y). Der Unterschied zu der vorigen Generation ist jedoch, dass das Thema “Arbeitgeberattraktivität” aktuell eine viel höhere Bedeutung zugeschrieben bekommt. Durch den Fachkräftemangel und die ständige mediale Aufmerksamkeit sind Arbeitgeber heute mehr und mehr in der Pflicht, auf Arbeitnehmerbedürfnisse und -erwartungen einzugehen. Daher ist es notwendig – gerade wenn es um die Gewinnung neuer Mitarbeiter (die ja nunmal hauptsächlich aus der GenY stammen) geht – diese Anforderungen greifbar zu machen. Wahrscheinlich rührt daher die oftmals zu einseitige Fokussierung auf die Werte der GenY.

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