Acht Fragen an Martin Poreda – Mitgründer kununu GmbH

Martin PoredaDie kununu GmbH betreibt im Herzen Wiens die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu.com. Martin Poreda, der das Unternehmen 2007 gemeinsam mit seinem Bruder Mark gründete, gibt Auskunft über Sinn und Zweck derartiger Plattformen, welchen Nutzen Bewerber und Arbeitgeber davon haben, und wie Unternehmen mit ihnen umgehen sollten.

Herr Poreda, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Arbeitgeberbewertungsportal zu starten? 

Ausgangspunkt war der Wunsch, mich selbst besser über potenzielle Arbeitgeber informieren zu können. Ich habe meine Jobwechsel stets sehr strategisch vollzogen und mich vorher stets umfassend über interessante Karrieremöglichkeiten informiert. Mit Suchkombinationen wie „Betriebsklima“, „Aufstiegschancen“ usw. in Kombination mit Firmennamen habe ich u.a. auch im Internet nach Insider-Berichten aus den mich interessierenden Firmen gesucht. Mit den Ergebnissen war ich sehr unzufrieden. Eines Abends erzählte ich meinem Bruder davon; am nächsten Tag begannen wir mit der Arbeit an kununu.

Wie garantiert kununu die Seriosität der Bewertungen?

Die Seriosität von kununu wird vor allem durch die Bewertungsmethodik gewährleistet. Die Kategorien in den Fragebögen unserer Express- und der Standardbewertung beruhen auf dem Modell der European Foundation for Quality Management zur qualitativen Bewertung von Unternehmen. Das soll sicherstellen, dass auch ohne Abgabe von Kommentaren ein ganzheitliches Bild des Arbeitgebers entsteht.
Jede Bewertung wird zudem durch technische Filter auf die Einhaltung der kununu-Regel kontrolliert, die da lautet: Die Bewertung von Personen und die Veröffentlichung firmeninterner Informationen sind nicht erlaubt, diskriminierende, beleidigende, rufschädigende, rassistische und vulgäre Aussagen verboten!

Wie erfolgt die Kontrolle?

Jeder Besucher, der eine Bewertung abgeben möchte, muss sich mit einer ordnungsgemäßen Mailadresse registrieren. Trashmailadressen werden von uns nicht akzeptiert. Technische Filter verhindern zudem das Posten von Schimpfwörtern und namentlichen Erwähnungen.
Darüber hinaus hat jeder Arbeitgeber die Möglichkeit, unserem Support-Team Rückmeldung zu geben: Liegt eine Bewertung mit bedenklichen Inhalt vor, überprüfen wir diese umgehend. Entspricht diese weder den gesetzlichen als unseren freiwillig selbst auferlegten Kriterien, wird der User verständigt, seine Bewertung dahingehend zu korrigieren.

Wir wirken sich Arbeitnehmerbewertungen bei kununu auf das Employer Branding aus?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass Unternehmen, die aktiv mit kununu umgehen, von unserer Plattform profitieren. Die Deutsche Telekom, die Commerzbank, Bosch, Siemens, E.ON oder Bayer weisen beispielsweise Mitarbeiter und Bewerber explizit auf kununu hin und generieren so auch Bewertungen von zufriedenen und tendenziell eher nicht mitteilungsbedürftigen Mitarbeitern.

Welche konkreten Rückschlusse können Arbeitnehmer und Bewerber aus den Bewertungen ziehen?

Bewerbern bietet kununu die Möglichkeit, den jeweils passenden Arbeitgeber zu finden, indem sie bei uns konkret nach Informationen über ein ganz bestimmtes Unternehmen suchen können, oder nach einem Arbeitgeber, bei dem das Betriebsklima stimmt und beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle anbietet.

Wie sollte ein Arbeitgeber mit negativen Bewertungen umgehen? Und was sollte er unbedingt vermeiden?

Die Bewerter haben in den wenigsten Fällen die Absicht, ihrem Unternehmen zu schaden. Vielmehr nutzen sie Plattformen wie kununu, um auf Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen. Arbeitgeber sollten für dieses Feedback dankbar sein.
Werden falsche Behauptungen aufgestellt, sollte der Arbeitgeber die Betreiber der Plattform kontaktieren und sie darüber informieren, dass die abgegebene Bewertung nicht der Wirklichkeit entspricht.
Mit negativen Bewertungen und Kommentaren, die der Wahrheit entsprechen, werden die Arbeitgeber leben müssen. Vor manipulierten Bewertungen möchte ich ausdrücklich warnen. Erboste Reaktionen auf derartige Taktiken lösen schnell einen Schneeballeffekt aus, der das Image des Arbeitgebers nachhaltig schädigt.

Und was sollte er richtigerweise tun?

Richtig wäre, aktiv die eigenen Mitarbeiter zur Abgabe einer Bewertung aufzufordern. Damit schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe: Er signalisiert zum einen seinen Mitarbeitern, dass er für Feedback offen ist. Zum anderen betreibt er nach außen authentisches Personalmarketing, weil er dadurch, dass er sich auf den Dialog einlässt, in der Gunst potenzieller Bewerber steigt.

Wie ist die Resonanz seitens der Firmen auf Ihre Plattform?

Tendenziell sehr positiv. Der Großteil sieht sie als das, was sie auch ist: Eine sehr nützliche Informationsquelle, die Aufschluss darüber gibt, wie die eigenen Mitarbeiter über das Unternehmen denken.

Vielen Dank für das Interview, Herr Poreda.

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