„Lösungen für Mitarbeiterpublikationen stehen nicht im Katalog“ – Dirk Maertens im Interview

Dirk-MaertensBeim Employer Branding ist es wichtig, die richtigen Botschaften an Mitarbeiter und Bewerber zu senden. Dies kann über die verschiedensten Medien geschehen. Dirk Maertens hat in den letzten 20 Jahren als Unitleiter Corporate Publishing zahlreiche Mitarbeiter- und Kundenmagazine sowie Apps und Online-Lösungen von der Konzeption bis zur Fertigstellung begleitet. Er weiß, wie wichtig Mitarbeitermedien für die interne Kommunikation sind. In unserem Blog spricht er über Lesespaß, Kommunikationsziele und Strickmuster, die gar keine sind.

Herr Maertens, was genau ist eigentlich „Corporate Publishing“?

Es gibt da keine feste Definition, aber gemeint sind journalistisch gemachte Unternehmensmedien, die der internen bzw. externen Kommunikation dienen. Ob offline – also Print –, online oder mobil, spielt keine Rolle. Für Unternehmen oder Verbände, für die B2B- oder B2C-Kommunikation oder eben auch gezielt für die Mitarbeiterkommunikation – Corporate Publishing bietet ein breites Spektrum an Lösungen. Das hat sich in den letzten Jahren durch die digitalen Möglichkeiten noch einmal massiv erweitert: Heute gibt es E-Newsletter, Mitarbeiterapps, das Intranet usw.

Sterben Printprodukte wie die Mitarbeiterzeitung etwa langsam aus?

Nein! Natürlich sind die Printpublikationen nicht so aktuell und schnell wie die Online-Welt. Für mich ist Print jedoch ganz klar das Leitmedium im gesamten Kommunikationsmix. Denn nur hier gelingt es, über Hintergründe zu berichten, auf längeren Strecken etwas zu erklären und den Mitarbeitern durch das Zusammenspiel von Text und Bild, Spaß an der Lektüre zu vermitteln. Über andere Ausgabekanäle wird das nicht in dem Maße gelingen.

Gerade in der internen Kommunikation spricht auch die große Reichweite für ein Printmedium. Schließlich ist nicht in jedem Unternehmen jeder Mitarbeiter ans Netz angeschlossen. Und was zu Hause auf dem Tisch liegt, wird auch vom Rest der Familie mal durchgeblättert.

Zudem drückt ein professionell gemachtes, hochwertiges Printprodukt eine ganz andere Wertschätzung für Mitarbeiter und Kunden aus als ein PDF-Dokument. Das spricht übrigens auch dafür, die Umsetzung in die Hände von Profis zu geben.

Was bringt die interne Kommunikation mit den Mitarbeitern?

Intern dient die Mitarbeiterkommunikation der Transparenz, dem Wissenstransfer und der Mitarbeiterbindung. Die Mitarbeiter wollen umfassend über das Geschehen im Unternehmen, seine strategischen Ziele, aber auch über ihre Kollegen oder andere Personalthemen informiert werden. Außerdem festigt eine regelmäßige und professionelle Mitarbeiterkommunikation die Unternehmenswerte und -kultur und trägt auf diese Weise zum Employer Branding bei. So entsteht ein stärkeres „Wir-Gefühl“ innerhalb der Belegschaft – auch wenn das Unternehmen mehrere Standorte hat und/oder international tätig ist. Dem Unternehmen wird ein Gesicht verliehen und die stärkere Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen bindet diese langfristig.

… und wie hilft eine gedruckte Mitarbeiterpublikation hierbei?

Durch die journalistische Aufmachung – in Text und Bild – unterscheidet sich die Mitarbeiterzeitung oder das -magazin von den anderen Medien des Unternehmens. Es können Geschichten erzählt werden, die genau das transportieren, was das Unternehmen als Arbeitgeber ausmacht. Das Unternehmen kann den Mitarbeitern seine Philosophie mit gut gemachten, also redaktionell, grafisch und optisch professionell aufbereiteten Inhalten authentisch vermitteln.

Wie vermittele ich diese Botschaften am besten an meine Mitarbeiter?

Die interne Kommunikation läuft im Grunde so ab: Man definiert Zielgruppen – zum Beispiel aktuelle, aber auch ehemalige und zukünftige Mitarbeiter – und danach folgt die Konzeption. Diese basiert im Wesentlichen auf drei Säulen: den informativen Zielen (Über was wird berichtet?), den intentionalen Zielen (Was soll in den Köpfen und Herzen der Leser bewirkt werden?) und den zentralen Botschaften, die vermittelt werden sollen. Danach richten sich sowohl die Themen als auch deren Umsetzung aus. Diese drei Säulen gelten übrigens grundsätzlich auch für die Entwicklung externer Kommunikationsmedien, natürlich mit anderem Inhalt.

Das klingt nach einem guten Strickmuster …

Es gibt natürlich einen Rahmen, aber nur was die Vorgehensweise zur Realisierung eines Corporate-Publishing-Projekts angeht. Schließlich ist jedes Unternehmen für sich zu betrachten und braucht eine eigene Lösung. Deshalb ist erfolgreiche Kommunikation immer individuell. Corporate-Publishing-Lösungen in der Mitarbeiterkommunikation stehen also nicht im Katalog, man kann sie einfach nicht von der Stange nehmen. Aber aus meiner Sicht sind sie immer journalistisch fundiert und strategisch verankert.

 

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2 Gedanken zu „„Lösungen für Mitarbeiterpublikationen stehen nicht im Katalog“ – Dirk Maertens im Interview

  1. Peter Claus

    Journalismus ungleich Corporate Publishing

    Gegen die hier beschriebenen Ausführungen zum Corporate Publishing ist nichts einzuwenden. Weitaus differenzierter ist aber das Corporate Publishing vom Journalismus zu sehen.
    Sie vermischen zwei gänzlich unterschiedliche Sinngehalte. Corporate Publishing ist wohl redaktionell aufbereitet und wenn er gut ist auch sorgfältig. Aber es ist immer kundenorientiert, nie neutral, Kritik übend oder unabhängig. Ziel dieser Unternehmenskommunikation und des Kunden ist es, sich in ein bestimmtes Licht zu rücken und dies mit Ihrer Hilfe zu erreichen. Sie sind abhängig von diesen Kunden. Wäre dies Journalismus oder “journalistisch fundiert”, wie Sie schreiben, dann wäre er korrupt.

    Antworten
    1. Dirk Maertens

      Selbstverständlich erbringen wir Corporate-Publishing-Leistungen im Auftrag unserer Kunden, die wir dadurch unterstützen, ihre Ziele in der externen und internen Kommunikation zu erreichen. Wir bedienen uns dabei – wie im Interview beschrieben – “journalistischer Mittel”. Dazu stehen wir und an diesem Anspruch lassen wir uns auch messen. Wir maßen uns allerdings nicht an, Corporate Publishing mit Journalismus gleichzusetzen. Im Gegenteil wissen wir, dass “Journalismus” von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit (zu der auch Corporate Publishing gehört) deutlich zu unterscheiden ist.

      Antworten

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