Wie Social Media für das Employer Branding genutzt werden können? – Employer Branding Expertin Annika Kuchar im Interview

Annika-KuchaAnnika Kuchar studierte angewandte Medienwissenschaften und hat zudem einen Masterabschluss in Brandmanagement. In zahlreichen Kommunikationsprojekten für namhafte Marken vertiefte sie ihr Wissen im Bereich Strategie, Markenpositionierung und Social Media. Derzeit ist sie als Strategieberaterin bei Wertekern tätig und betreut Unternehmen im Employer-Branding-Prozess – von der Zieldefinition bis zur Umsetzung. Im Interview verrät sie uns, wie Social Media für die Arbeitgebermarkentwicklung genutzt werden (können) und worin deren Potenzial steckt.

Frau Kuchar, wie empfinden Sie den derzeitigen Stellenwert von Social Media in den Personalabteilungen? Werden diese für das Employer Branding genutzt?

Teils, teils. Es gibt durchaus viele schöne Best-Practice-Beispiele für die gelungene Einbeziehung von Social Media in das Employer Branding – gerade bei Großunternehmen. Zum Beispiel haben einige Unternehmen bereits eine eigene Facebook-Karriereseite oder laden ansprechende und authentische Recruitingvideos auf Youtube hoch. Häufig machen wir jedoch auch die Erfahrung, dass das Thema noch sehr stiefmütterlich behandelt wird. Mangelndes Budget oder fehlendes Commitment der Geschäftsführung ist hierfür häufig der Grund. Daher sehe ich hohes Ausbaupotenzial in der Nutzung der sozialen Medien für das Employer Branding.

Aber worin genau steckt dieses Potenzial? Wie können die sozialen Medien das Employer Branding unterstützen?

Der wohl größte Nutzen der sozialen Netzwerke für den HR-Bereich besteht darin, dass Unternehmen sehr einfach und schnell eine große Zielgruppe erreichen und einen authentischen Eindruck in das Unternehmen gewähren. Via Social Media können potenzielle Bewerber direkt angesprochen werden und der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, sowohl potenzielle als auch bestehende Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.

Und wie funktioniert das?

Dies gelingt durch eine regelmäßige, glaubwürdige und sympathische Kommunikation als attraktiver Arbeitgeber. Gerade die Gen Y, die Generation nach 1980 oder auch „Internetgeneration“, können Unternehmen in den sozialen Netzwerken gut erreichen. Die Gen Y informiert sich über potenzielle Arbeitgeber gezielt auf den sozialen Plattformen. Hier können Meinungen und Erfahrungen „echter Mitarbeiter“ ausgetauscht werden. Daher sind Plattformen wie zum Beispiel kununu so authentisch. Und auch bestehende Mitarbeiter tauschen sich aktiv in den Netzwerken mit ihrem Arbeitgeber oder ihren Kollegen aus. In Mitarbeiterbefragungen, die wir im Rahmen von Employer-Branding-Projekten für Unternehmen durchführen, zeigt sich ganz deutlich, dass die Mehrheit der Mitarbeiter sich sehr gut vorstellen kann, sich mit ihrem Arbeitgeber in den sozialen Medien zu vernetzen. Social Media fungieren im Employer Branding also als Touchingpoint zwischen Unternehmen und Mitarbeiter bzw. potenziellem Bewerber.

Welches Netzwerk würden Sie im Rahmen des Employer Brandings empfehlen? Wo lohnt es sich als Arbeitgeber am meisten, aktiv zu werden?

Grundsätzlich gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Eine Employer-Branding-Strategie muss immer individuell auf das Unternehmen, dessen Ziele, die Branche und die Zielgruppe zugeschnitten sein.

Dennoch kann man die einzelnen Netzwerke unterscheiden bzw. bieten sie unterschiedliches Potenzial. Auf Facebook beispielsweise tummeln sich eher junge Leute, die „leichte“ Informationen des Unternehmens erwarten. Posts über Firmenläufe, Betriebsausflüge oder bestandene Prüfungen der Azubis unterstützen hier den sympathischen und authentischen Arbeitgeberauftritt und geben einen realen Einblick in die Unternehmenskultur. Xing hingegen ist ein Business-Netzwerk. Das Unternehmen kann hier vermehrt über branchenspezifische Ereignisse und Karrierethemen im Allgemeinen informieren. Auch aktuelle Jobausschreibungen können hier sinnvoll und gezielt an die Community herangetragen werden. Dasselbe gilt für LinkedIn im internationalen Sinne. Twitter kann den Medienmix oftmals ergänzen. Durch die Kurzmeldungen können hier ganz einfach und schnell karriererelevante Infos geteilt werden. Youtube bietet die Möglichkeit durch Recruitingvideos, Erfahrungsberichte oder Erfolgsgeschichten einzelner Mitarbeiter zu verbreiten. Diese können dann natürlich auch auf den anderen Social Media Kanälen oder der eigenen Karrierewebseite genutzt werden.

Wie sehen Sie das Employer Branding in der Zukunft? Wird das Interesse an dem Thema eher wachsen oder sinken?

Employer Branding wird künftig weiterhin eine sehr große – wenn nicht sogar noch größere – Rolle spielen. Die derzeitige starke mediale Aufmerksamkeit zeigt den Trend hin zu aktivem Employer Branding. Zudem befinden wir uns in dem lang prognostizierten Fachkräftemangel, der, auch wenn er in manchen Regionen oder Branchen noch nicht spürbar ist, seine Auswirkungen zeigt. Arbeitgeber werden zukünftig um die besten und passenden Kandidaten im „War for Talents“ kämpfen müssen. Eine starke Arbeitgebermarke hilft hierbei natürlich. Doch die Unternehmen müssen bedenken, dass der Aufbau einer strategischen Arbeitgebermarke und deren Etablierung auch einige Jahre dauern. Der Employer-Branding-Prozess muss also frühzeitig beginnen.

Zudem wird durch die sich schnell entwickelnden digitalen Neuerungen die Komplexität im Onlineauftritt zunehmen. Durch Smartphones sind wir alle stets erreichbar. Bewerber sind mobil und wollen auch die Möglichkeit haben, sich von unterwegs auf eine Stelle zu bewerben. Daher muss der Arbeitgeberauftritt auch auf mobilen Endgeräten ein rundes und professionelles Bild ergeben und Personalprozesse müssen dementsprechend flexibler gestaltet werden.

An dieser Stelle ist stets zu berücksichtigen, dass das interne Employer Branding nie unbeachtet bleiben darf. Nur das, was man nach innen für seine Mitarbeitern tut und kommuniziert, kann auch nach außen authentisch, glaubwürdig und nachhaltig mitgeteilt werden. Es muss stets die Balance zwischen dem, was ich als Arbeitgeber nach außen verspreche und dem, was intern wirklich gelebt wird, herrschen. Nichts ist kontraproduktiver, als wenn sich nach der Einstellung die Versprechungen des attraktiven Arbeitgebers als heiße Luft entpuppen.

 

Vielen Dank für das Interview Frau Kuchar.

 

 

 

 

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