Plagen Sie sich! Tipps für einen guten Texteinstieg beim Schreiben für die Mitarbeiterzeitschrift

Texteinstieg MitarbeiterzeitschriftFertig! Fast. Es fehlt nur noch der verflixte Texteinstieg. Die Rosine, mit der ich Sie locken, Ihnen Appetit auf mehr machen, Sie in meinen Text ziehen kann. „Nur noch.“ Wer schreibt, weiß, dass aus den paar Wörtern leicht zwei Stunden werden können. „Einer muss sich plagen, der Schreiber oder der Leser“, sagt der Journalist, Autor und Sprachkritiker Wolf Schneider. Und nun raten Sie einmal, auf wen das Los idealerweise fällt.

Leser scannen eine Zeitschriftenseite unglaublich schnell: Vom Bild wandert das Auge auf die Bildunterschrift, weiter zur Überschrift, Unterzeile und bestenfalls auch gleich zum Vorspann. Viel Zeit bleibt da nicht, um den Leser neugierig zu machen und ihn in den Text zu ziehen. Was er liest, muss den Leser gleich fesseln. Sonst verabschiedet er sich schneller vom Text, als mancher das Wort „Überschrift“ tippen kann.

Dies gilt auch für Ihre Mitarbeiter, die in der Mitarbeiterzeitschrift ansprechend und auf den Punkt gebracht über interne Geschehnisse und Entwicklungen informiert werden möchten.

Zentrale Aussage

Eine Überschrift muss eine klare Aussage haben. Wenn möglich, handelt es sich dabei um die zentrale Aussage des Textes. Manchmal hilft es, einem Außenstehenden kurz den Inhalt zu erzählen. Meist beschränken wir uns dabei schon auf das Wesentliche.

Überzeugen Sie Ihre Mitarbeiter, weiterzulesen. Dazu gehört es auch, in einer verständlichen Sprache zu schreiben. Fach- und Fremdwörter, Anglizismen oder überlange Wörter machen in einer Überschrift nicht einmal denjenigen Spaß, die sie gleich verstehen.

Verben sind erwünscht

Halten Sie es kurz und knackig. Eine dreizeilige Überschrift erfordert nämlich nicht nur einen ziemlich langen Atem, sondern sieht auch nicht schön aus. Mehr als zwei Wörter dürfen es natürlich sein und auch Verben sind ausdrücklich erwünscht.

Wortspiele und Sprachbilder sind durchaus erlaubt – aber gefährlich. Legen Sie Ihre Kreation lieber vorher einem Kollegen vor. Wenn er über ein sprachliches Bild stolpert, ist das ein sicheres Zeichen für Verbesserungsbedarf. Im Zweifelsfall gilt: Fällt mir keine kreative Überschrift ein, wähle ich lieber eine nachrichtliche.
Das heißt: Ich informiere den Leser sachlich, um was es geht.

Drei bis fünf Sätze

Bekommt der Leser diese Infos nicht in der Überschrift, müssen Sie schnell nachgereicht werden: in der Unterzeile oder im Vorspann. Drei bis fünf Sätze reichen völlig aus, doch die sollten es in sich haben. Ein Vorspann soll dem Leser Orientierung geben und ihm in wenigen Sätzen die Kernbotschaft des Artikels skizzieren.

Die sieben W’s

Wie blumig der Vorspann werden darf, hängt von der Textform ab. Ein nachrichtlicher Texteinstieg ist eher nüchtern. Hier kommen die berühmten sieben W’s ins Spiel: Wer, was, wann, wo, wie, warum und welche Quelle? Welche Rangfolge die W’s haben, bleibt dem Autor überlassen. Im Vorspann darf er ruhig einmal eine Information auslassen, bevor der Text zu überladen wird.

Zitat-Einstiege sind erlaubt, aber mit Vorsicht zu genießen. Leser steigen oft aus, wenn sie nicht schnell genug erfahren, wer etwas sagt. Deshalb gilt auch für Zitate: Bitte kurz und knackig! Möglich ist auch ein Frage-Einstieg. Der gelingt vor allem, wenn der Leser nicht mit ja oder nein auf die Frage antworten kann. Sie soll vielmehr den Wunsch bei ihm wecken, die Antwort darauf im Text zu finden.

Zeigen, nicht erzählen

Überraschen Sie Ihre Mitarbeiter, zum Beispiel mit Kontrasten und Gegensätzen, Ironie oder einer Provokation – oder beschreiben Sie eine Szene, geben Sie die Stimmung eines Augenblicks wieder. Erzählen Sie dabei nicht, sondern zeigen Sie: Wer nervös ist, trommelt mit den Fingern auf den Tisch, kaut auf der Lippe oder blickt unruhig hin und her.

 

Ich jedenfalls – und das ist kein Ein-, sondern ein Ausstieg – lehne mich nun entspannt zurück. Fertig. Seien Sie versichert: Auch ich habe mich für Sie geplagt.

 

 

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